Die Holzbibliothek von Candid Huber
Ein Höhepunkt der Dauerausstellung ist die einzigartige Holzbibliothek des Ebersberger Benediktinermönchs, Priesters und Waldexperten Candid Huber (1747–1813). Ab 1788 fertigte er mit großer Sorgfalt sogenannte Holzbücher an – kunstvoll gestaltete Schatullen in Buchform, von denen jede einer bestimmten Baumart gewidmet ist.

Hubers Idee war ebenso einfach wie außergewöhnlich: Statt die Natur nur zu beschreiben, sollte sie für sich selbst sprechen. Jedes Holzbuch enthält typische Merkmale des jeweiligen Baumes, darunter Blätter, Samen, Früchte sowie ausgewählte Nütz- und Schädlinge.
Die Ebersberger Sammlung umfasst 117 Holzbücher und zählt zu den bedeutendsten ihrer Art in Europa. Nachdem sie lange Zeit als verschollen galt, konnte sie 1975 dank der Unterstützung zahlreicher Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen bei einer Auktion erworben und nach Ebersberg zurückgeholt werden.
Ausgewählte Exemplare lassen sich heute über einen innovativen digitalen Scanner bis ins Detail erkunden. Dabei werden zugleich spannende ökologische Zusammenhänge und historische Hintergründe vermittelt. Diese besondere Präsentationsform ist bislang einzigartig und wurde von der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern finanziell gefördert.

Ergänzt wird die Holzbibliothek durch umfangreiche Erläuterungen, die Cadid Huber in den beiden Werken „Kurzgefasste Naturgeschichte der vorzüglichsten baierischen Holzarten“ und später „Vollständige Naturgeschichte aller in Deutschland einheimischen und einiger nationalisirten Bau- und Baumhölzer" festhielt.
Kurzgefasste Naturgeschichte, digitalisiert von der bayerischen Staatsbibliothek: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10296049?page=,1
Vollständige Naturgeschichte, digitalisiert von der bayerischen Staatsbibliothek: https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10228854?page=,1
Darin beschreibt er nicht nur die biologischen Eigenschaften und Nutzungsmöglichkeiten der Bäume, sondern auch die Auswirkungen von Schädlingen, Witterungseinflüssen und Übernutzung. Seine Beobachtungen zeigen ein bemerkenswert modernes Verständnis komplexer Ökosysteme, lange bevor dieser Begriff gebräuchlich wurde. Für seine botanischen Arbeiten genoss Huber bereits zu Lebzeiten hohes Ansehen und wurde mit Preisen und Ehrungen ausgezeichnet.
Hören Sie hier einen Radiobeitrag auf Bayern2 über die Holzbibliothek Candid Hubers: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zeit-fuer-bayern/wunderholz-candid-hubers-holzbibliothek-100.html









